Das Ende der Welfenmonarchie
(eine rechtshistorische Rarität)

Private Ausstellung anlässlich der 88. Wiederkehr der Novemberrevolution 1918/19 in Braunschweig.

Durch die Aussöhnung zwischen Hohenzollern und Welfen infolge der Vermählung von Prinzessin Viktoria Luise (einzige Kaiser-Tochter von Wilhelm II.) mit Prinz Ernst August III. von Hannover (Königs-Enkel von Georg V. von Hannover und Großvater des legendären und gleichnamigen „Pinkel- und Prügelprinzen“) gelangte letztmalig 1913 ein Welfenfürst auf den Brauschweiger Thron: Ernst August III. Herzog zu Braunschweig und Lüneburg.

Am 08. November 1918, einem Tag vor Ausrufung der Deutschen Republik durch Philipp Scheidemann vom Balkon des Reichstages in Berlin, erzwang der Arbeiter- und Soldatenrat im herzoglichen Residenzschloss zu Braunschweig unter Führung des späteren Landespräsidenten August Merges den Rücktritt des Herzogs und seiner Regierungsmitglieder. Durch die Abdankung des letzten regierenden Welfenherzogs Ernst August mit Thronverzicht am frühen Abend des 08. November 1918 im Zuge der das Ende des ersten Weltkrieges begleitenden Novemberrevolution endete nicht nur das Herzogtum Braunschweig, sondern gleichzeitig auch eine über 800 jährige Welfendynastie - und die herrschende Erbmonarchie wurde abgelöst durch eine republikanische Staatsform - anfänglich und kurzfristig als Räterepublik in der freien „Sozialistischen Republik Braunschweig“ unter Führung von August Merges, einem gleichermaßen redegewandten wie kompromisslosen Linkspolitiker und Arbeiterführer aus dem Saarland.

Diese historische Stunde findet ihren sichtbaren Niederschlag in der schriftlichen Abdankungserklärung des Herzogs Ernst August vom 08. November 1918. Ein zeitgenössischer und unverfälschter Faksimiledruck dieses rätselbehafteten und legendären Dokuments ist als Hauptbestandteil einer kleinen Dauerausstellung in den Räumen der Anwalt- und Steuerkanzlei Dr. Andreas Liebl-Wachsmuth in Lage ebenso zu bewundern, wie andere wertvolle Zimelien jener Epoche, so bspw. eine Ordensverleihung des herzgl. Hauses an den Kammermusiker Walter Wachsmuth mit bronzenem Kriegsverdienstkreuz am blau-gelben Band, einer bunten Original-Illustrierten von 1913 im Großformat anlässlich der Inthronisierung des Herzogspaares, ein in Braunschweig handgeschriebener und unterschriebener Originalbrief des Komponisten und Musikers Paul Hindemith, ein solcher des Komponisten Siegfried Wagner u.a..

Die Abdankungsurkunde des letzten regierenden Welfenherzogs war und ist bis heute ein Mysterium geblieben. Nach dessen Errichtung am 08.11.1918 blieb sie über Jahre und Jahrzehnte hinweg spurlos verschwunden; gegen August Merges wurde deswegen polizeilich ermittelt und ein Strafverfahren wegen Urkundenunterdrückung beim Landgericht Braunschweig geführt. Es gab seinerzeit Presseberichte in zahlreichen Publikationen, wonach die Abdankungsurkunde angeblich dem entmachteten Herzog selbst zum käuflichen Erwerb für viel Geld angeboten wurde; August Merges hatte dies allerdings stets in Abrede gestellt. Parallel zu diesem als „Urkundenschacher“ bekannt gewordenen und so in der Öffentlichkeit bezeichneten Vorgang tauchten zahlreiche Falsifikate der Abdankungsurkunde auf, die dem Original - mal mehr und mal weniger - täuschend ähnlich sahen. Erst in den 70er Jahren überbrachte der Sohn von August Merges dem Staatsarchiv Wolfenbüttel das Original der angeblichen Abdankungsurkunde - das seither dort öffentlich ausgestellt wird.

Bemerkenswert an diesem Dokument ist eine offensichtlich erst nachträglich vorgenommene Veränderung - die den Eindruck erwecken soll, dass die Abdankung auch von August Merges entgegengenommen wurde, was jedoch tatsächlich nicht der Fall war; denn August Merges hat die Abdankung des Herzogs am 08.11.1918 in Wirklichkeit weder persönlich noch mit seiner Unterschrift begleitet. Auf dem im Staatsarchiv Wolfenbüttel befindlichen Dokument wurde nun die durchstrichene Unterschrift des August Merges wiederum unterpunktiert - was den historischen Abdankungsvorgang in dieser Beziehung falsch wiedergibt.

Der vorliegend ausgestellte Faksimiledruck stellt demgegenüber eine originalgetreue Wiedergabe der seinerzeit noch unverfälschten Urschrift dar - nämlich mit durchstrichener Unterschrift des August Merges, also ohne Unterpunktion.

Der zeitgenössische Originaldruck beweist damit, dass die Vorlage im Staatsarchiv Wolfenbüttel nachträglich manipuliert und verfälscht wurde. Darin liegt die besondere Bedeutung des hier ausgestellten Exponats.

Schauen Sie doch einfach mal herein und bilden sich dazu Ihre eigene Meinung über diesen jetzt mehr als 88 Jahre zurückliegenden historischen Vorgang ...